«Brutalität in der Medienwelt nimmt zu»
Am 29. Juni trafen sich 30 Mitglieder des Zürcher Werbeclubs (ZW) zu ihrer Generalversammlung (GV). Die Traktanden gingen in Rekordzeit über die Bühne. Danach war ein Talk mit Nationalrat Filippo Leutenegger angesagt, der mit hoher Dossierkompetenz überzeugte.
snu. Die eigentliche GV des Zürcher Werbeclubs (ZW) war innert weniger Minuten durch. Neben dem neuen Auftritt der Homepage, welcher den rund 40 Mitgliedern von Vorstandsmitglied Lanny Cresta vorgestellt wurde. Sie sagte, dass eine Analyse ergeben habe, dass der ZW durchaus noch Potenzial habe bezüglich Mitgliederbestand – insbesondere bei den Jungen und Frauen. Hierfür sei jedoch ein neuer Auftritt umzusetzen, zu dem sie den Mitgliedern bereits erste Prints zeigen konnte. Dann gabs Bestätigungswahlen im Vorstand. Sämtliche Vorstandsmitglieder, die zur Wiederwahl standen, wurden einstimmig bestätigt. Zur neuen Revisorin wurde Brigitte Kuster ernannt, die bereits seit 15 Jahren ZW-Mitglied ist.
Unter dem Traktandum Ehrungen schliesslich wurde der Einsatz des langjährigen ZW-Ehrenmitglieds Monika Luck gewürdigt, die auch die Geschäftsstelle des ZW führte.
Filippos Welt ...
Der Medienerprobte Leutenegger meisterte die Sache natürlich hervorragend. Und gab äusserst dossierkompetent Auskunft etwa zur Medien- und Energiepolitik, aber auch zu parteistrategischem Gezänk etc. Sowohl auf die Fragen aus der Zuhörerschaft wie auch von ZW-Vorstandsmitglied Andy Hostettler, der den Talk leitete. Leutenegger war wach, und witzig. Auf die Frage wie es ihm mit der Absage auf seine Bewerbung des «Superdirektors» bei der SRG gehe, meinte er schmunzelnd: «Nun ich habe schon etwa einen halben Tag daran genagt…». Und ernsthafter sagte Leutenegger dann: «Wäre es den Verantwortlichen wirklich ernst gewesen, den Service Public effizient zu führen und die Finanzen ins Lot zu bringen, hätte ich nicht die schlechtesten Chancen gehabt.» Aber offenbar sei immer noch genügend Geld vorhanden…
Auf die Krise der Kommunikationsbranche, insbesondere der Medien angesprochen sprach Leutenegger ein wahres Wort einigermassen gelassen aus: «Die Brutalität nimmt zu.» Die Selektion habe nun auch den Online-Bereich erreicht. Der Grösste bezüglich Reichweite mache das Geschäft, der Zweitplazierte sei bestenfalls «break even»; der Dritte schliesslich sei bereits weg vom Fenster. Und dabei vergesse man die ganze Zeit, dass die Grossen der Online-Branche noch gar nicht wirklich mitmischen. Wenn dann die Googles und die Swisscom etc. im Geschäft mit dem Inhalt mitmischen, werde es für die vermeintlich grossen Mediensites fast aussichtslos.
Nach einem Wort zu seiner eigenen Firma Hausclub machte Leutenegger seiner Abneigung gegen Subventionen Luft. «Subventionen haben die schlechteste Nachhaltigkeit. Ich glaube nicht an staatliche Unterstützungsprogramme», so Leutenegger. Beim RTVG dagegen sei nicht etwa das Geld das Motiv der Verleger gewesen, sondern das Absichern ihrer Monopolstellungen in ihrem jeweiligen Sendegebet. Hier kann man natürlich anderer Meinung sein, denn die Südostschweiz Mediengruppe beispielsweise kassiert allein aus dem Gebührensplitting ein Mehrfaches an Subventionen als sie Gewinn ausweist. Aber vielleicht ist dies die Frage nach dem Ei und dem Huhn. Noch kurz auf die Werbeverbote angesprochen, sagte der liberale Leutenegger: «Werbeverbote sind die Vorstufe zur Zensur.» Nein, sind sie natürlich nicht, hätte man den Talkleiter gerne intervenieren gehört: Werbeverbote sind Zensur!













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